Jung-Fuchs Johannes Sellin: „Meine Zeit kommt noch“

Johannes Sellin blockt Hamburgs Nationalspieler Pascal Hens. Für diese Aktion sah der Ex-Usedomer Gelb.Johannes Sellin blockt Hamburgs Nationalspieler Pascal Hens. Für diese Aktion sah der Ex-Usedomer Gelb.Mittlerweile hat sich dieser Wunsch erfüllt. Am 11. Oktober feierte Johannes gegen den TSV Hannover-Burgdorf sein Debüt in der Bundesliga, wo er auch gleich zwei Treffer zum 32:24-Sieg seiner Füchse beisteuern konnte. Eine Woche später durfte er sogar die komplette zweite Halbzeit spielen. Auch gegen die HSG Düsseldorf gelangen ihm zwei Tore zum 32:27-Erfolg der Berliner.

Angesprochen auf seinen Wechsel von der Provinz in die Hauptstadt antwortet der Jung-Fuchs überzeugt: „Das habe ich richtig gemacht“. Auch wenn das Handballspielen beim HSV Insel Usedom viel Spaß gemacht habe, sei ihm klar gewesen, „dass, wenn ich handballerisch etwas erreichen will, ich von Usedom weggehen muss“. Zu diesem Schritt würde er im übrigen auch HSV-Juwel Gordon Wicht raten. „Gordon hätte woanders mehr Chancen, sich zu entwickeln“, ist er überzeugt. „Bis 23 hat man großes Entwicklungspotenzial“, macht er seinem ehemaligen Mitspieler Mut.

In Berlin ist für Johannes ein ganz anderes Training möglich, vor allem in den Übungseinheiten mit den Profis, wo es härter zur Sache gehe, als in der Regionalliga. Auch das Umfeld tue ein Übriges. Allen voran Bob Hanning, der in der Saison 2006/2007 als A-Jugend-Trainer der SG Spandau/Füchse im Spiel gegen den HSV auf Johannes aufmerksam wurde und ihn nach Berlin holte.

„Bob ist einer, der mir einen Stein nach dem anderen aus dem Weg räumt, einer, mit dem ich reden kann und dem ich vertraue“, so der Ex-Usedomer über seinen Mentor in Berlin. Der sorgte auch dafür, dass der Insel-Junge einen Platz im Internat der Werner-Seelenbinder-Schule, einer von vier Berliner „Eliteschulen des Sports“, bekam. Dort wird Johannes 2011 sein Abitur machen. Auch die Zeit danach ist schon vorgeplant. Bis zum Ende seines Vertrages im Sommer 2012 soll er ein freiwilliges Jahr in der Geschäftsstelle der Füchse absolvieren. Was danach kommt, hat der Rechtsaußen selbst in der Hand. Doch der ist sich sicher: „Meine Zeit kommt noch.“

Das bezog sich in der vergangenen Woche auch auf das Großstadt-Duell zwischen den Füchsen Berlin und dem HSV Hamburg, wo es für Johannes Sellin zwar zum dritten Bundesligaspiel reichte, er allerdings nur ganze vier Minuten Erstligaluft schnuppern durfte. Kurz vor der Pause eingewechselt, bekam er es mit Deutschlands Rückraum-Ass Pascal Hens zu tun. Der erste Körperkontakt mit dem Nationalspieler brachte ihm gleich die gelbe Karte ein. Am Ende unterlagen die Berliner den haushoch überlegenen Gästen mit 25:37 (9:22).

Dafür hat Johannes derzeit jede Menge Spaß in der zweiten Mannschaft. Der Regionalliga-Aufsteiger, bei dem auch der Ex-Usedomer Max Rinderle spielt, hat sich mit 20:2 Punkten souverän an die Tabellenspitze gesetzt. Mit dem Talentschuppen der Füchse will Johannes denn auch nicht weniger als den nächsten Aufstieg feiern.

Dem nicht genug, tummelt sich der Sohn des ehemaligen HSV-Jugendbetreuers Gernot Sellin auch auf internationalem Parkett. So durfte Johannes im vergangenen Sommer mit der A-Jugend-Nationalmannschaft zur U 19-WM nach Tunesien reisen. Dort absolvierte er alle sechs Turnierspiele, die allerdings mit einem enttäuschenden siebten Platz endeten.

„Das Ziel ist immer, Titel zu holen“, gibt sich Johannes selbstbewusst. Bereits nächstes Jahr soll dann der Europameistertitel bei den Junioren mit der U 21 geholt werden. Der Weg dorthin führt zunächst über einen Lehrgang des Deutschen Handballbundes (DHB) und damit verbundene Testspiele, die in dieser Woche (21. bis 26. November) stattfinden.

Eine Woche später geht es dann mit der Zweiten wieder in die Provinz. „Seit dem 1. Spieltag freuen sich Max und ich auf den 5.12.“, verrät Johannes über seine Verbundenheit zur Heimat. Denn dann kommt es beim Spitzenspiel zwischen dem HSV Insel Usedom und den Reinickendorfer Füchsen zu einem Wiedersehen mit vielen Freunden in der Ahlbecker Pommernhalle.

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3. September 2010 - 16:50