Eller nennt sein Projekt „Konzert für Schneckenklavier mit Seebrücke und Skulpturenorchester“. Der 54-jährige Künstler hat speziell für die Insel Usedom eine Klanginstallation geschaffen, die den Steg zur Ahlbecker Seebrücke für drei Wochen zu einem Konzertort unter freiem Himmel verwandeln wird. Dazu wird Eller am 20. September zwischen 17 und 23 Uhr einen Flügel am Strand direkt neben der Ahlbecker Seebrücke mit viel Technik ausstatten, die das Instrument mit insgesamt zwölf Klangschalen aus Beton verbindet. „Die orangenen Betonhalbkugeln werden so aussehen wie Seebojen“, verriet der Klangkünstler. Sie sollen mitten auf dem Steg zur Seebrücke auf einer Länge von zwanzig Metern als Lautsprecher dienen.
Werkstattfoto des SchneckenklaviersDie zu hörende Musik wird sich aus verschiedenen einprogrammierten Geräuschen und live über mehrere „Wellhornschneckenmikrofone“ eingefangene Meeresklänge zusammensetzen. Die werden quasi wie mit einem Zufallsgenerator gemixt und für ein spannendes Hörerlebnis sorgen. Wie sich das Ganze anhören wird, ist selbst für den Künstler schwer mit Worten auszudrücken. Allenfalls die Zutaten für das Rezept lassen ein wenig erahnen, was das Publikum am 20. September erwartet.
Für die zwölfkanalige Geräuschkomposition sorgen: Sand, Trommel, Rohrresonanzen, Autobahn, Klavier, Holz- und Glasperlen, Bleche, Wind, Tamburin, Rundholz, Murmeln, diverse Papiere und der letzte Ton von Edvard Griegs „Peer Gynt“, Suite Nr. 1, Opus 46.
Zusätzlich zur Klanginstallation wird im Kunstpavillon Heringsdorf, der erstmals Partner des Usedomer Musikfestivals ist, das zeichnerische Oeuvre von Ulrich Eller für die Dauer des Festivals zu sehen sein. Eigens dafür wird das Usedomer Musikfestival einen Katalog herausgeben, wie Intendant Thomas Hummel informierte.
Eller werde auch für drei Workshops zur Verfügung stehen, die am 20. und 21. September stattfinden. Daran würden auch Usedomer Schülerinnen und Schüler teilnehmen, ließ Hummel wissen. Die Workshops im Kunstpavillon, die öffentlich und kostenfrei sind, beschäftigen sich mit: Arbeitstechniken intermedialer Kunstformen – Präsentationen (20.9., 10.00 - 11.30 Uhr), Öffentliche Räume – Anforderungen der Kunst (21.9., 10.00 – 11.30 Uhr), Potenziale von Usedom – akustische/visuelle Attraktionen (21.9., 15.00 – 16.30 Uhr).
Tourismusdirektor Dietmar Gutsche, der von Hummel als Förderer des Projektes gepriesen wurde, sieht in der Ostseebiennale der Klangkunst eine Möglichkeit, auf Usedom die kulturelle Lücke im Frühjahr mit einem Event zu füllen. Er hoffe, dass die Klanginstallation von Eller ein guter Auftakt dafür sein werde. Die Ostseebiennale der Klangkunst geht auf das Jahr 1969 zurück, als die Kunsthalle Rostock eröffnet wurde. Im kommenden Jahr werde sie sich um das Thema „Ökologie“ drehen, berichtete ihr Kurator, Dr. Christoph Metzger, bei der Vorstellung der Klanginstallation auf Usedom.


